Der erste Tag

by Lenny 28/03/14

Man spürt die Sonnenstrahlen in seinem Gesicht, der Blick schweift über die Hügel. So gut wie jeder, der Mal eine Schaufel in den Händen hielt, um seinem Spot ein neues oder ein altes Mosaikstück hinzuzufügen, kennt dieses Gefühl.

Man steht mit seinen Dudes vor seinem Spot. Erstmal lässt man, das was Winter und „Passanten“ hinterlassen haben auf sich wirken. Schnell vermischt sich die sonnige Euphorie mit leichter Aggressivität und leichter Resignation gegenüber dem menschlichen Verstand. Jedoch nach und nach verschwindet dieser Blickwinkel. Der momentane Zustand verblasst und wird durch die Bilder der letzten Sommer ersetzt. Die Hügel sind fertig geshaped. Die Jungs flown durch die Lines und der Grillmeister (Hausmeister) kommentiert in üblicher, euphorischer, kritischer Weise. Sofort beginnt man innerlich zu grinsen.

Der Erste eröffnet: „Der Radius der Kurve war sch…lecht!“ Abrupt endet die Stille und die Diskussion zwischen den Bauherrn beginnt, es wird gefeilscht, gestikuliert und gezeigt. Die neuen Ideen und Verbesserungsvorschläge werden beratschlagt. Nach einigen Minuten steht der Plan. Man schnappt sich eine Schippe und legt los.

Die ersten Schaufelstiche sind mühselig, ungewohnt, an Switchschaufeln ist noch nicht zu denken. Nach einer viertel Stunde denkt man: „Weshalb mache ich das hier überhaupt?“ Aber nach einer guten Stunde merkt man, die Motorik kommt wieder und man beginnt seinen Rhythmus zu entwickeln. Selbst die Hände, welche über den Winter eher zu Bürowerkzeugen verkommen sind, beginnen an den eigenen Schwielen zu arbeiten. Am Ende des noch früh dämmernden Tages, sieht man den Anfang des Weges, allerdings noch nicht das Ziel. Wiederum macht sich ein Gefühl der Zufriedenheit bei Allen breit. Jetzt wird einem wieder schlagartig klar, weshalb man sich Jahr für Jahr aufs Neue dieser Prozedur unterzieht: Das Gefühl der inneren Zufriedenheit, etwas Gutes für sich und andere getan zu haben.

Der nächste Tag zeigt sofort, was man getan hat, die Unterarme verkrampft, die Finger lassen schwer strecken und die Kaffeetasse liegt mühselig in der Hand. Trotz dieser Nebenwirkungen juckt es einem in den Fingern weiter zu machen.

Schipp Schipp Ahoi!

Lenny