Feuer, Gras und Dynamit!

by Sebe 29/10/09

Feuer, Eis und Dynamit!

Als ich vor einigen Wochen die Info bekam, dass Ende Oktober seit langer Zeit mal wieder ein Wiesenslalom stattfinden sollte, war ich vollkommen aus dem Häusschen. Schon seit Ewigkeiten war ich nicht mehr bei einem Rennen am Start. Doch dieser süßen Verlockung aus der Vergangenheit konnte ich einfach nicht wiederstehen.

Man nehme einen Wiesenhang, stecke zwei möglichst identische Kurse mit etwa 15 Toren ab, auf denen die Fahrer jeweils abwechselnd gegeneinander antreten und fertig ist der Racing-Spaß. Bei Bedarf kann man natürlich auch noch ein paar Sprünge oder Anlieger einbauen um die Sache noch etwas abwechslungsreicher zu machen. So sah Racing Mitte der Neunziger aus bevor man im Dual oder 4X mit mehreren Fahrern auf einer Strecke kämpfte und diese Disziplin nach und nach in der Versenkung verschwand.

Letzten Samstag war es dann endlich soweit und die Vorfreude groß. Rund 50 Fahrerinnen und Fahrer machten sich auf den Weg nach Kleinbucha mitten in Thüringen um am Retro-Spass teilzuhaben. Zu Hause noch die guten alten Michelin Spikes aufgezogen und los gings. Nach der Ankunft gab es allerdings für viele erst einmal eine Enttäuschung. Die abgesteckte Strecke war kein Dual-Slalom mit zwei getrenten Kursen wie angekündigt, sondern ein Riesenslalom der im 4X Modus ausgetragen werden sollte. Aufgrund der vielen Starter und aus Zeitgründen hatte man sich entschieden den Modus zu ändern, damit alle Teilnehmer vor allem möglichst viel Fahren konnten.

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Nachdem mein letztes Rennen schon gut 10 Jahre zurück liegt und ich auch sonst ziemlich selten zum Radfahren komme, war ich anfangs ehrlich gesagt schon etwas skeptisch gegen drei andere Fahrer auf der auch nicht gerade langsamen Strecke anzutreten. Doch schon nach dem ersten Trainingsrun sind alle Bedenken vergessen. Was für ein Spaß! Unglaublich! Und auch alle anderen Fahrer haben sichtlich ihre Freude daran durch die weiten Wiesenkurven zu räubern. Man fährt sich regelrecht in einen Rausch. Kurve anpeilen, Bike umlegen, Fuss raus und die Haftungsgrenze der Reifen suchen. Viel kann ja nicht passieren. Im Ziel hat so gut wie jeder nur noch ein breites Grinsen im Gesicht. Also keine Zeit verschwenden und ab zum nächsten Run. Die Organisatoren hatten aufgrund der doch recht langen Strecke sogar zwei Shuttle-Fahrzeuge mit Hänger organisiert. Mehr Luxus geht nicht.

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Nach dem Mittag wurde die Quali in drei Läufen mit wechselnden Besetzungen augetragen. Für den Start hatte man sich allerdings noch ein ganz besonders Ritual überlegt. Die Räder werden liegend an einer Startlinie aufgereiht und die vier Fahrer müssen sich mit ausgestreckten Armen dahinter legen, so dass sie entgegengesetzt der Strecke blicken. Anschließend wird hinter ihrem Rücken ein Chinaböller gezündet und sobald dieser im „Startsignaleimer“ explodiert, heißt es so schnell wie möglich aufstehen, umdrehen und Fahrrad schnappen. Der Start war dadurch etwas gewöhnungsbedürftig aber für alle ziemlich fair und gleichzeitig eine sehr unterhaltsame Angelegenheit für alle die zuschauen konnten.

Mit vier Fahrern auf der Strecke, die nun um jede Platzierung kämpfen, stieg der Spaßfaktor noch weiter. Durch die breit abgesteckte Strecke gibt es viele Überholmöglichkeiten und es bleibt spannend bis zur Ziellinie. Schon in den Vorläufen wird hart gefightet und auch ich gehe zweimal zu Boden. Mit: 3./2./2. schaffe ich die Quali, muss mich nach eine schlechten Start aber bereits im 32er Finale verabschieden. Verdammt! Ich wäre so gerne nochmal gefahren.

Doch auch das Zuschauen macht mächtig Spass, wenn vier Fahrer in einem Sturm aus Gras- und Dreckpartikeln  Rad an Rad, Lenker an Lenker über die Wiese schießen – jeder mit der Mission den Vordermann auszumanövrieren. Klar ist es im Grunde das Gleiche wie bei jedem anderen 4X Rennen, doch durch die Einfachheit der Strecke multipliziert sich einfach die Intensität und der Spaß an den Zweikämpfen.

_75h3215 ... während dessen zündet der Starter von seinem Hochsitz einen Chinaböller, der nach wenigen Sekunden das Startsignal für die Fahrer gibt. Bild: Sebastian Schieck _75h3032
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Innerhalb weniger Läufe steht das Finale fest und der letzte Böller wird oben auf dem Berg gezündet. Den Sieg holt sich an diesem herrlichen Oktober-Nachmittag Marcel Ziegler, vor Frank Schneider, Tommy Herrmann und Mr. Holeshot Andre Ziegler. Bei den Damen entscheidet  Harriet Rücknagel das Finale für sich.

Normalerweise heißt es nach den Finals immer Siegerehrung, Zusammenpacken und Heimfahren. Doch nicht heute. Weil Allen das Ganze so viel Spaß gemacht hatte, gabs auf vielseitigen Wunsch im Anschluss für alle nochmal eine Stunde Zeit zum hemmungslosen Wiesenkurven-Schredden. Und so kam auch ich nochmal in diesen leider ansonsten viel zu seltenen Genuss.

Alles in Allem ein super spassiger Event der definitiv Lust auf mehr gemacht hat. Ein großer Dank geht an die Orgnisatoren vom MSC Pößneck, die hier schon im letzten Jahr einen Dual-Slalom ausgetragen haben und hoffentlich auch im nächsten Jahr wieder etwas auf die Beine stellen werden.

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Am Ende des Tages bleibt festzuhalten, dass wir einfach wieder mehr von diesen Veranstaltungen brauchen. Egal ob als Wiesenslalom im 4X-Modus oder als Dual Slalom auf getrennten Strecken. Es ist einfach unglaublich, wie man mit so wenig Aufwand, so viel Spaß haben kann, ganz egal ob als Anfänger oder Pro.

Probierts aus, ich versichere euch ihr werdet genauso davon begeistert sein wie wir an diesem Wochenende.