Quick Check-in mit Marius Hoppensack

by Charles 25/10/10

Marius Hoppensack muss eigentlich nicht vorgestellt werden. Wer sich in Deutschland mit dem Thema Mountainbike Dirtjump beschäftigt, der kennt diesen Namen und weiss das er für guten Style, harte Tricks und darüber hinaus für ein super smarten & netten Typen steht.
Anfang diesen Jahres hatte Marius einen schweren Sturz, welcher ihn selbst ein halbes Jahr danach immer noch nicht wieder auf seinem Bike sitzen lässt. Eine ziemlich harte Situation für ihn und deshalb war es uns auch schon seit langem ein großes Bedürfnis bei Marius mal reinzuhören wie es ihm so geht.
Teamkollege und Freund Carlo Dieckmann hat das Interview für uns geführt.


Carlo: Hey Marius, wie gehts dir? Was treibst du gerade so?

Marius: Hi Carlo. Ja es geht ganz gut! Was ich so treibe..lernen lernen lernen. Mein Kopf platzt vor neuen Eindrücken. Nebenbei geht´s immer wieder zu meinem Dirtspot. Diesen Sommer hat es mich ziemlich abgefuckt, dass ich die ganze Zeit kein Rad fahren durfte und dann als es ging erstmal die Schüppe schwingen musste. Den Fehler mach ich nicht noch mal. Deshalb gibt´s auch als kleine Reha-Maßnahme einige neue Sprünge und die Lines, die mir sonst zu viel Arbeit waren.

Carlo: Was macht dein Knie? Machst du viel Reha oder hast du diesen Schritt übersprungen und fährst schon wieder mit dem Bike rum?

Marius: Das Knie geht echt gut. Mittlerweile habe ich mich so viel mit Physiotherapeuten unterhalten, dass ich ziemlich genau weiß, was ich mit meinem Knie machen darf und welche Übungen es gibt. Deshalb stehe ich immer wenn es möglich ist zuhause einbeinig auf meinem Gelkissen und mach Kniebeugen oder sonst irgendwelche stabilisierenden Sachen. Mein eigentlicher Plan war es ja, dass ich mir schön einen Pumptrack zurecht knete und dann da meine Runden drehe, aber genau jetzt, wo ich fit genug dafür wäre, ist das Wetter scheiße! Aber naja, es wird sicher noch ein paar schöne Tage geben.

Carlo: Die Saison war sicherlich das krasse Gegenteil von dem, was du dir am Anfang des Jahres vorgestellt hast. Die Verletzung war ja doch ziemlich heftig und ich erinnere mich noch das es hiess, du seist für ein Jahr komplett raus. Das ist heavy, zum mal du ja ein ziemlicher FahrradFreak bist. Erzähl mal wie das Ganze für dich war und vielleicht zu deinem kurzen Comeback im Laufe des Sommers.

Marius: Naja, ich habe mir nicht nur die Saison anders vorgestellt, sondern auch mein ganzen zukünftiges Leben. Am Tag, an dem mein Unfall passiert ist stand ich noch zuhause und dachte mir wie geil es eigentlich zur Zeit bei mir ist. Ich mach das was mir Spaß macht und alles läuft. 3 Stunden später habe ich die Schmerzen meines Lebens und am nächsten Morgen erklärt mir der Arzt, dass er noch nie so ein kaputtes Knie gesehen hat und nicht genau weiß, ob ich überhaupt noch mal in meinem Leben richtig laufen kann. Und dann, 3 Tage später, lieg ich auch noch komplett verkabelt auf der Intensivstation mit einer Lungenembolie, weshalb ich kaum noch Luft bekomme. Alle halbe Stunde kommt ein Pfleger ins Zimmer und schaut nach, ob ich überhaupt noch atme..
Ich habe mir zum Glück nicht viel erzählen lassen und versucht das beste draus zu machen. Es war einfach eine neue Ausgangssituation, die neue Aufgaben schuff und ich wollte sie meistern!
Das alles wieder hinzubekommen, hat mir ehrlich gesagt schon einiges an Schmerzen und echt harter Arbeit bereitet. Irgendwie war das ganze wie ein ordentlicher Schlag in die Fresse, um mich mal ein bisschen wach zu rütteln und mir die Realität zu zeigen. Zum Glück gab es super viele Leute, die mich unterstützt haben. Auf den Playgrounds hab ich dann auch noch einen Banner bekommen, auf denen alle Radfahrjungs unterschrieben haben und der hier gerade neben meinem Schreibtisch hängt. Von engsten Freunden hab ich sogar ein Buch in das jeder was reingeschrieben hat bekommen. Du übrigens auch, Carlo und das hat mir echt viel bedeutet!

Zum Glück hat sich diese Arbeit aber auch richtig ausgezahlt. Am Entlassungstag hieß es 13 Monate kein Rad fahren, im Endeffekt waren es 12 Wochen nach der ersten OP. Aber ich kann euch sagen, wenn du mit 13 Monaten rechnest, strukturierst du dein komplettes Leben schon ordentlich um! Aber das hat mir auch geholfen. Ich hab so viel wie schon lange nicht mehr was mit Leuten unternommen, die nichts mit Rad fahren zu tun haben. Leute, die komplett andere Werte haben, was mir noch mal geholfen hat, mein Leben aus einer anderen Sicht zu betrachten.
Mir war gar nicht mehr so klar, wie ein Leben mit Schule, Ausbildung oder Studium abläuft, wenn man mal nicht jedes Wochenende in der Weltgeschichte unterwegs ist und man auch ab und zu mal den Fernseher an macht.

Carlo: Du hast auch ein Part für Lukas Tielkes „Action Heroes“ Film gedreht, right? Zumindest habe ich den B-Footy Part gesehen. Das finde ich krass.

Marius: Ja, der Part in Lukas Video war das Ziel, was mich echt die Monate bei der Stange gehalten hat! Ich meine, es war ja nicht damit getan, dass ich wieder auf´s Rad durfte. Innerhalb von 8 Wochen musste ich meinen Dirtspot wieder aufbauen, dabei so viel wie möglich auf dem Rad sitzen und das erste mal in diesem Jahr wieder Dirt zu fahren, um wieder Gefühl dafür zu bekommen, Muskeln aufbauen und gegen meine „Knie-Umknick-Fobie“ ankämpfen. Denn, wenn du einmal weißt, wie es sich anfühlt, wenn dein Knie im 45° Winkel nach vorne/außen absteht, vergisst du das nicht mehr so schnell!
Für den Part selbst hatten wir dann auch nur eine Woche Zeit und für Lukas typisch, eine lange Liste an Tricks, die er auf jeden Fall im Kasten haben will! Die Woche sind wir dann mit einem Wohnwagen einmal einen Trip durch Deutschland gefahren. Zwei Tage waren wir bei mir in der Umgebung und die restlichen an Spots, die ich nie zuvor gesehen habe. Trotzdem musste auch dort dann alles gegeben werden. Problem: Jeder Trick muss mindestens zwei Mal gemacht werden, um ihn aus mehreren Perspektiven zu haben und wenn ich mich verletze ist das komplette Projekt im Arsch, weil es am Ende der Woche direkt ins Krankenhaus geht, zu meiner nächsten Op. Jeden Tag standen also 5 Stunden vollgas Rad fahren auf dem Plan.
Ich kann euch sagen, dass ich da natürlich überglücklich im Krankenhaus lag und wusste, dass ich die Mission hinter mich gebracht hatte. Wohl auch 8 Wochen, die ich nicht vergessen werde!

Carlo: Wow, ich bin gespannt auf das Resultat im Film!
Fakt ist aber auch, dass du dieses Jahr schon viel Zeit ohne dein Bike verbringen musstest. Was sind so die Dinge mit denen du dich in den letzten Monat beschäftigt hast? Zum Beispiel Beddo, wie geht es da voran?

Marius: Beddo läuft super! Erst seit kurzem gibt es die Sättel mit integrierter Sattelstütze und das erste Shirt und ich bin wieder schwer dabei neue Sachen vorzubereiten. Ab dem nächsten Monat wird es wohl die Beddo Spinner Felgen geben usw. Leider dauert das ganze immer viel länger, als ich warten kann, aber zumindest kann ich schonmal sehen, dass es cool wird und Spaß macht sich immer wieder neue Dinge auszudenken und umzusetzen!
Grundsätzlich möchte ich erstmal alle Dinge an den Start bringen, die mir noch im Kopf rumschwirren. Das Ziel von Beddo ist es ja Teile zu bauen, die der heutigen Weise Rad zu fahren in Funktion, Gewicht und Stabilität entsprechen. Dabei soll der Kram noch geil aussehen und preiswert bleiben.

Welche neuen Produkte es jetzt geben wird, kann ich leider noch nicht sagen, weil es eben alles so lange dauert, aber das es neue Sachen geben wird steht fest!

Carlo: Was hast du sonst so getrieben mit der vielen Zeit? Du bist ja ein smarter Typ und lässt die Zeit nicht einfach so verstreichen. Ich erinnere mich, als du letztes mal verletzt warst, hast du dir selber HTML und das programmieren von Webseiten beigebracht. Diesmal irgendwelche neuen Sachen auf eigene Faust studiert?

Marius: Haha, ja ich muss zugeben, dass ich ziemlich viel Zeit in Büchereien verbracht habe. „The more you know, the more you see“ war immer der Spruch von meiner gehassten Englischlehrerin, aber mein Ziel war ja der neue Blickwinkel und so habe ich mir alles mögliche in die Rübe geknallt, bzw. tue es immer noch. Meistens wohl Dinge, die hier keinen Interessieren werden, aber meinen Horizont um einiges Erweitert haben. Ich weiß noch, wie ich an einem Morgen mich mal zum lesen an einen See gesetzt habe und sich eine echt krass aussehende Frau neben mich gesetzt hat. Wie sich rausstellte Mitte 50, teilweise ihr Leben in der Psychiatrie verbracht und zur Zeit noch auf ein paar Medikamenten. Kurz vorher hab ich noch ein Buch über Hirnaktivitäten beendet, was mir geholfen hat sie ein wenig zu analysieren. Trotzdem krass, was so alles in so einer Psychiatrie so abgeht und wie die Patienten das empfinden.

Carlo: Ich muss noch mal auf deine Verletzung und deren Folgen zurück kommen. Hast du eigentlich den gleichen Appetit wie immer, jetzt wo du gerade nicht fährst? Kleiner Insider an dieser Stelle…

Marius: Hehe, naja. Die Zeit, die ich nur im Krankenhaus lag war ich nicht so hungrig. Vielleicht lag das aber auch an den ganzen krassen Schmerzmitteln. Zumindest habe ich sie nach einer Woche abgesetzt, weil ich einfach alles vergessen habe. Ich konnte nach 3 Stunden nicht mehr sagen, wer mich zuvor besucht hat und war mega vercheckt. Und selbst, eine Woche, nachdem ich keine Schmerzmittel mehr genommen habe, war meine Reaktion und mein denken noch schwer eingeschränkt. Vielleicht auch besser, dass ich mich nicht mehr an alles erinnern konnte. Aber sobald das wieder überwunden war und es wieder ans Muskeln aufbauen ging, war jedes Sättigungsgefühl wieder vergessen!

Carlo: Wann bist du wieder zu 100% auf dem Bike?

Marius: Ja, das ist die Frage, die ich nicht so genau beantworten kann. Bzw. auch nicht für mich darf! Ich hab mit meinem Arzt ausgemacht, den ich ja jetzt schon ein bisschen länger und besser kenne, dass er mir nicht sagt „noch zwei Monate….noch 3 Wochen usw.“, weil ich dann sowie so denken würde, „ach, die eine Woche früher oder später macht auch nichts aus.“ Er sagt mir einfach nur, wenn es so weit ist. Das heißt es könnte nach jedem Arztbesuch so weit sein, aber wohl irgendwann in diesem Winter.
Wer´s genauer wissen will, soll meinen Arzt fragen, ich werde es nicht tun.

Carlo: Es wird ja langsam Winter, d.h. wie willst du dich auf die neue Saison vorbereiten. Bleibst du bei den guten alten Skate-Hallen oder machst du ein Abgang in wärmere Regionen wie zum Beispiel Spanien?

Marius: Erstmal muss ich wieder auf´s Rad kommen und da wird mir so eine Skatehalle wohl nichts ausmachen. Das Rad fahren alleine ist schon soo geil! Eine Sache, die ich auch gelernt habe, dass es sich lohnt über kleinere Dinge zu freuen! Im Frühjahr sind alle Dirts im Arsch, im Sommer ist es zu warm, im Herbst will man den Sommer wieder und Winter ist scheiße, weil man nur in der Skatehalle fahren kann. Jaja, blabla! Mir scheiß egal!
Aber Spanien hört sich trotzdem gut an! Werde es mir mal überlegen!

Carlo: Zu guter letzt hast du die Chance ein paar Danksagungen rauszuhauen. Ich bin mir sicher, dass du eine ganze Menge an Leuten um dich hast, die dir Helfen wieder durchzustarten.

Marius: Oh ja! Zum einem meinem Arzt Dr. Hax, der mich wieder zusammengeflickt hat, mir genau die richtigen Sachen erzählt hat, damit mein Knie wieder fit wird und auch im „Actionheros“ – Film zu sehen sein wird. Dr. Szamlewski, der mir in der Nachbehandlung alles über mein Knie erzählt, was ich wissen muss. Düse, der meine Krankenschwester und bester Freund war, mich umsorgt hat und Verständnis dafür hatte, als ich nichtmal in der Lage war weiter als 10 Meter an Krücken zu gehen, weil sonst mein Knie drohte zu platzen. Steffie, Lena und Tina, für die witzigsten Trips, Abende, Motivation und natürlich die Kartoffelkanone! An meine Physiotherapeuten, denen ich ständig auf den Sack gegangen bin, damit sie mir neue Übungen zeigen. An Nina meiner private Physiotherapeutin, die mir immer mit Rat zur Seite stand. An Sasch und alle die mir auf dem Abflughallenbanner unterschrieben haben, auf den ich immer wieder einen Blick werfen kann. Pierre, Till und Kiesi, die auch in den beschissensten Zeiten noch Sprüche hatten, die mich aufgemuntert haben. Lukas und Mira, für die Motivation wieder fit für den Film zu werden und die geile Zeit auf dem Trip und im Krankenhaus! Tim, Dajana, Lui, Tobi, Max, Carla, Dirk, Juli, Boogy, Robert, Chrisy, Coco, Dennis, Jakop, Kevin, Passi, Julian, Dorian, Raab, Kulkenpeter und auch alle anderen, mit denen ich ohne mein Rad zusammen rumgehangen habe, die mich im Krankenhaus besucht haben und die ich auf Grund von Medikamenten wieder vergessen habe. Alle, die in mein gute Besserungsbuch geschrieben haben, vor allem Julia, die es organisiert hat und auch alle, die mich so unterstützt haben.
An Dich, NPJ, Joscha, Timo, Tomasz, Teschie, Paddy, Claudius (gute Besserung an der Stelle!), Iven, Mike, Carina, Daniel und alle anderen, die immer wieder angerufen haben und mich aufgemuntert habe.
Und natürlich auch meine Sponsoren, Adidas, Suntour, A-Class, O´Neal, Trickstuff, Adidas Eyewear, Reell, NC-17, Telekom, Evs und Schwalbe, die komplett hinter mir standen und auch in der kommenden Saison hinter mir stehen werden.

Danke an euch alle und auch danke an die, die ich vergessen habe! Ihr seid der Bringer!

Carlo: Danke für die Zeit und ich freue mich jetzt schon darauf bald wieder neue Action von dir zu sehen.
Peace Marius


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