RANDOM Review von Uwe Buchholz

by Sebe 15/03/11

Bewegend bewegt, bewegt bewegend!? Da liegt es. Random 4. Ich lauf vorbei und schaue drauf. Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal. Oft schau ich nochmal rein, nach dem Rechten sozusagen. Ob noch alles seinen Gang geht.

Es lag schon hier und da in unserer Wohnung, der Effekt blieb stets gleich, solange es obenauf lag. Ein Effekt macht es lebendig. Läßt mich immer mal wieder nach dem Buch schauen. Mehr noch, es kurz zur Hand nehmen und nachschauen. Checken, was da grad abgeht bei den Jungs. Zunächst hielt ich den Effekt für einen bekannten Pimp. Nett, billig gedacht, teuer gemacht, schön für meine Tochter. Doch der Effekt nahm mich für sich ein. Bemächtigte sich meiner Phantasie, lies mich nachdenken, erneut greifen, und auch diesen Text denken.

Cut.
Coffe Table Books sind eigentlich für Gäste. So wie frische Handtücher im Bad, wenn die Eltern der Liebsten zu Besuch kommen. Doch im Gegensatz zu Handtüchern müssen sie weder praktisch sein noch, und dass ist der Gegensatz zu den Büchern die Bücherkonsumenten üblicherweise kaufen, einen selbst interessieren, sondern gegebenenfalls einfach Mal anwesende Fremde zerstreuen.

Ich habe nicht die Wohung, nicht den passenden Freundeskreis und nicht den passenden Fimmel für Coffee Tabel Books. Schönbilderne Schwarten, dekorativ und venusfallengleich wartend auf ausgesucht hindesignten, freistehenden Couchtischen, Sideboards oder beiläufig auf lümmelsofaumrahmten Quadrateckenfüllablagen drapiert. Bestimmt für den vom CTB-Käufer herbeigesehnten Augenblick, wenn büchermitleidige Mitbürger, aufmerksame Einrichtungsstudierer oder einfach Neugierige sich den Fotowelten annehmen. Endlich Aufmerksamkeit für oftmals großartige Fotokunst, die zum Wohnraumornament degradiert wurde. Ausgesucht nicht selten eher ihrer dekorativen Kraft und Fülle wegen oder dem weltgewandten/zeitgeistigen/absurden/hippen/witzigschrägen Thema wegen, aber selten genug aus wahrhaftigen Interesse oder gar Bewunderung.

Wie anders die jüngste Ziere meiner Behausung. Random 4. Gleichwohl, auch dieses Objekt ist ein dem Bildgehalt eines CTB nicht nachstehendes, fotohaltiges Druckerzeugnis. Die Zuordnung zur Gattung Buch ist nicht eindeutig, allerdings für mich ausser Frage stehend! Bücher sind zum Bleiben bestimmt. Random auch.

Random 4 ist kein CTB aber dennoch lasse ich es bewußt obenauf rumliegen, an Plätzen in unserer Wohnung, an denen ich so vorbeikomme.

Sicher, Random 4 ist etwas, dass sich sowohl 100% mit meiner Interessenslage deckt. Noch dazu etwas voller Werke, deren Schöpfer und Aktivisten ich persönlich schätze. Und sowieso ein Hingucker für Fremde.

Doch das Obenaufliegen hat etwas mit dem Effekt zu tun, dem Wackelbild. Eine ganze Sequenz von einem Absprung, sicher acht Einzelbilder. Je nach Blickwinkel sieht man den Fahrer in verschiedenen Phasen losschweben. Der Effekt macht das Heft, das abgebildete Geschehen lebendig.
Doch manchmal, ziemlich selten, sieht man gar keinen Fahrer. Nur den Sprung, die Landschaft. Dann fragt man sich, fahren die Jungs heute gar nicht? Es ist, wie wenn man einen Bikepark in Sichtweite hätte. Man schaut immer hin. Und denkt ans Radfahrn. Sieht man sie fahren, ist die Welt in Ordnung und man will selbst fahren. Sieht man keinen Fahren, fragt man sich was los ist, schaut nochmal nach. Und will immer noch selbst fahren. Hinschauen tut man immer. Und meine Gäste auch.

Wenn man dann Random 4 in der Hand hat und blättert (und feststellt, dass alles in bester Ordnung ist und alle fahren, was das Zeug hält, dann wird man belohnt. In diesem kleinen Terrarium wimmelt es vor ausgesucht starker Fotografie des vergangenen Gravity-MTB-Jahres. Auge und Hirn wird verwöhnt. Aber das muss man eigentlich beim vierten Random nict mehr erwähnen, oder? Steht ja vorn drauf – Random.

Jetzt habe ich also doch so was ähnliches wie ein CoffeeTableBook, nur dass ich es eigentlich für mich habe. Vielleicht müssen wir mal umräumen, Platz schaffen für einen kniehohen Glastisch. Oder doch die Platte aus geölter und polierter Olive? ACH, ne, ich geh jetzt lieber mal Radfahren.

Uwe Buchholz